grad wurd mir das YT Video in meine timeline gespült. hier mein coment dazu:
https://www.youtube.com/watch?v=l4Zr7pmaqlY
Da kommt sinngemäß die Idee auf, Politik wäre besser, wenn dort mehr Leute säßen, die einen Beruf gelernt, in der freien Wirtschaft gearbeitet und Verantwortung übernommen haben.
Und da verliere ich sie ein bissl.
Berufserfahrung außerhalb der Politik ist wertvoll. Aber Demokratie heißt doch nicht, dass Wirtschaftserfahrung eine Eintrittskarte für politische Kompetenz ist.
Ja, ich will dort Unternehmer und Leute mit Managementerfahrung. Aber genauso Lehrer, Pflegekräfte, Wissenschaftler, Beamte, Arbeiter, Selbstständige, Juristen, Sozialarbeiter usw.
Sonst wird politische Repräsentation zum Recruitingverfahren für Geschäftsführer.
Ein Unternehmen zu führen ist auch nicht dasselbe wie einen demokratischen Staat zu führen. Politik heißt, Interessen auszuhandeln, Mehrheiten zu finden, Kompromisse zu schließen und sich gegenüber allen zu verantworten. Auch gegenüber jenen, die einen nicht gewählt haben.
Mein größeres Problem liegt woanders:
Why the fuck sollte sich ein vernünftiger, kompetenter Mensch Politik heute überhaupt noch antun?
Nicht nur wegen Social Media oder öffentlicher Beschimpfung. Sondern teilweise wegen der eigenen Partei.
Mitterlehner/Kern ist für mich ein gutes Beispiel. Wenn politische Erfolge unerwünscht werden, weil jemand innerhalb der eigenen Partei davon profitiert (hüst, hüst, Kurz), wenn Regierung oder Parteichef scheitern, dann haben wir ein Incentive-Problem, kein Lebenslauf-Problem.
Und die SPÖ demonstriert dieses Problem seit Jahren selbst.
Natürlich braucht eine Partei inneren Diskurs. Bitte darum sogar! Aber irgendwann muss man sich fragen, ob man Differenzen austrägt oder sich gegenseitig so lange die Beine wegzieht, bis von der eigenen Partei nichts mehr übrig ist.
Neuer SPÖ-Slogan:
„Keine Sorge, liebe politische Konkurrenz. Wenn gerade niemand gegen uns arbeitet, erledigen wir das schon selber.“
FFS!
Wir brauchen nicht einfach „mehr Leute aus der Wirtschaft“, sondern unterschiedliche Leute mit Kompetenz, Erfahrung, viel Rückgrat und Ideen.
Und eine politische Kultur, in der solche Leute nicht nach fünf Minuten feststellen:
„Fuck this shit. Warum sollte ich mir das antun?“
