Gerade gehört: Hoher Repräsentant Bosniens tritt zurück. Ausschlaggebend waren wohl wirtschaftliche Interessen im Trump-Zirkel an einer Pipeline nach Kroatien. Die FAZ hat berichtet, leider hinter ihrer Paywall. Siehe auf Englisch: International community High Representative in BiH Christian Schmidt resigns. Die US-Regierung kooperiert mit Dodik und damit mit einem Putin-Verbündeten und wohl auch mit kroatischen Nationalisten. Ein weiteres Beispiel dafür, wie fossile Expansion aussieht, und auch ein Zeichen dafür, wie groß die Verwandtschaft zwischen dem US-Nationalismus heute und dem in Ex-Yu damals und heute ist.
Heinz Wittenbrink
Blogger-Profil von Heinz Wittenbrink, auch erreichbar unter @heinz@graz.social. Lebt in Graz und manchmal in Dubrovnik. Schreibt vor allem über das, was er liest. Tags: #degrowth #meditation #openweb
Ich habe gerade die Presseaussendung zum European State of the Climate 2025 gelesen (European State of the Climate 2025, 2026). Die Fakten sind dramatisch, und die europäische Politik, so wie sie sich in den Medien darstellt, ignoriert sie komplett (obwohl es wohl keine politische Entwicklung gibt, die nicht indirekt sehr viel mit ihnen zu tun hat). In den letzten 30 Jahren sind die Temperaturen in Europa pro Jahrzehnt um mehr als ein halbes Grad angestiegen. Es ist absurd, dass die heimattümelnden Populisten am konsequentesten ignorieren, dass die Lebensbedingungen sich radikal verändern werden – das Verschwinden der Gletscher ist dafür nur ein Signal. Mich erinnert diese Entwicklung an die Pest von Camus: Lange will niemand wissen, was geschieht, und dann ist es zu spät. Und den Punkt, an dem es zu spät ist, haben wir bereits überschritten – was nicht heisst, dass man nicht gegen die Pest kämpfen muss.

Warum wird in den Artikeln über die #OMV nie erwähnt, dass die Emirate eine Hauptverantung für den Völkermord im Sudan tragen? : Petrochemie-Deal der OMV wird durch Krieg im Nahen Osten überschattet
Viertgrößter Petrochemiekonzern der Welt feiert Debut in Wien. Da fehlt ziemlich viel. Die Mörderpolitik der Emirate im Sudan. Die globale Verschmutzung mit Plastik. Die Legitimierung und Fortsetzung der Förderung von Öl und Gas und der damit verbundenen Emissionen. Die Selbstbereicherung der kleinen Cliquen, die solche Deals abschließen. Und ihre Verflechtung mit der politischen Macht in den Emiraten und in Österreich. Journalismus?
Höre Ezra Kleins Gespräch mit Naomi Klein (auf YouTube und allen Podcast-Plattformen nachzuhören, Transkript bei der New York Times, 2026). Sehr empfehlenswert, u.a. – aber bei weitem nicht nur– wegen Naomi Kleins Bemerkungen zu einer neuen Strategie für die Linke. Sie spricht von einer welcoming left, von neigbourism und eco populism.
Voran geht eine lange und differenzierte Analyse des Erfolgs des Trumpismus, für Ezra wie für Naomi Klein eine Form des Faschismus. Die Spiegelwelt, die Welt der Querdenker, mit der sich Naomi Klein schon lange beschäftigt, habe gesiegt. Sie bestimme die globale Realität, obwohl und vielleicht weil die „aufgeklärte Seite“ der Gesellschaft sie lange nicht ernst nahm – so wie wir hier die Spiegelwelt derjenigen, die von den Kickls, Kunaseks und Amesbauers vertreten werden, nicht ernst genug nehmen.
Die Steiermark als „Bastion“ im Stil eines Kinderbuchs der 30er JahreGepostet auf der Facebook-Seite des steirischen Sozial- und Umweltlandesrats Hannes Amesbauer. Etwas weiter unten teilt Amesbauer einen Beitrag von Herbert Kickl von der CPAC Hungary. Mehr zur an das „Neurussland“ Putins, aber auch die Remigrationsideologie der Identitären erinnernernden „Bastion Steiermark“ in diesem FPÖ-Video mit Amesbauer.
Um seine Phantasien einer ethnisch sauberen Heimat umzusetzen, verwendet Amesbauer vor allem die Förderpolitik im Sozialbereich. Hier schließt sich ein Kreis zu den Streichungen in der Kulturförderung in der Steiermark – nur dass die FPÖ dort wohl nicht so deutlich sagen kann, dass es ihr nicht vor allem um Einsparungen, sondern um die Zerstörung von Diversität geht.
Giorgos Kallis kritisiert – und ironisiert – Autoren aus der Degrowth-Community, die einen Abfall von ursprünglichen Degrowth-Prinzipien beklagen (Kallis, 2026). Dabei setzt er sich vor allem mit Clive Spash (2026) auseinander.
Kallis’ Argument: Eine einheitliche, „reine“ Degrowth-Bewegung hat es nie gegeben – schon die Autoren, auf die dieser Begriff zurückgeht, vertraten unterschiedliche Positionen und widersprachen sich selbst. Die innere Vielfalt ist eine Stärke, nicht eine Schwäche der Degrowth-Bewegung. Kallis stellt sich die Degrowth-Community als mediterrane Familie vor:
„What if we modeled ourselves after a loud, argumentative Mediterranean family that is having dinner, quarrelling and disagreeing about everything and nothing, before going home and loving (and hating) each other to death – but still being a family?“
Im Konversationston spricht Kallis dabei grundlegende Fragen an, vor allem nach den Beziehungen zwischen Degrowth-Bewegung und Wirtschaftswissenschaften. Er wiederholt in einer sehr verständlichen Form die Grundthese seines Buchs Limits (Kallis, 2019): Grenzen des Wachstums lassen sich nicht überzeugend aus „natürlichen“ Gegebenheiten ableiten. Individuen und Gruppen müssen selbst bestimmen, was für sie genug ist. (Über Limits habe ich hier gebloggt.)
